Ratgeber · Für Werkstätten
Dialogannahme: Ablauf, Checkliste und Fotos für eure Werkstatt
Bei der Dialogannahme nehmt ihr das Fahrzeug gemeinsam mit der Kundschaft am Fahrzeug an: Anliegen klären, Zustand ansehen, Umfang und Kosten besprechen – und das Ergebnis festhalten, bevor die Arbeit beginnt.
Kurz gesagt
- Dialogannahme heißt: Annahme direkt am Fahrzeug, zusammen mit der Kundschaft – statt nur Schlüssel und Auftragszettel am Tresen.
- Festhalten: das Anliegen in den Worten der Kundschaft, Kilometerstand, sichtbare Vorschäden, vereinbarte Arbeiten, Fertigstellungstermin und – auf Wunsch – voraussichtliche Preise.
- Fotos der Annahme zeigen später, in welchem Zustand das Fahrzeug ankam.
- Mehrarbeit vorab regeln: Eine zu erwartende wesentliche Überschreitung eines Kostenvoranschlags müsst ihr unverzüglich anzeigen (§ 649 Abs. 2 BGB).
Was ist eine Dialogannahme?
Bei der Dialogannahme nimmt die Serviceberatung das Fahrzeug nicht nur am Tresen an, sondern gemeinsam mit der Kundschaft am Fahrzeug – je nach Betrieb bei einem Rundgang oder auf der Hebebühne. Arbeiten und Kosten werden direkt am Fahrzeug besprochen; was beide sehen, landet im Auftrag.
Für die Kundschaft heißt das: Sie sieht selbst, was ihr seht, und kann nachvollziehen, wofür sie den Auftrag gibt. Für euch: ein klarer Auftrag, festgehaltene Vorschäden und eine Absprache für den Fall, dass während der Arbeit etwas dazukommt.
Ablauf in sechs Schritten
- Anliegen aufnehmen – in den Worten der Kundschaft, etwa „quietscht beim Bremsen, vor allem morgens“. Nachfragen: Seit wann? Wann genau? Schon einmal repariert?
- Fahrzeugdaten erfassen: Kennzeichen, Fahrzeug-Identifizierungsnummer, Kilometerstand, Tank- oder Ladestand und die Warnleuchten im Kombiinstrument.
- Rundgang: Lack, Felgen, Reifen, Scheiben, Leuchten; im Innenraum Sitze und Verkleidungen. Wertsachen bittet ihr die Kundschaft mitzunehmen – die Kfz-Reparaturbedingungen, die der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) empfiehlt, schließen die Haftung für Geld und Wertsachen aus, die nicht ausdrücklich in Verwahrung genommen sind.
- Befund zeigen: was sich am Annahmeplatz prüfen lässt – eine Sichtprüfung von unten, bei Geräuschen eine kurze Probefahrt – und gemeinsam ansehen.
- Auftrag vereinbaren: Leistungen bezeichnen, den voraussichtlichen oder verbindlichen Fertigstellungstermin nennen und auf Wunsch die voraussichtlichen Preise eintragen. Wer einen verbindlichen Preis will, braucht nach den Kfz-Reparaturbedingungen einen schriftlichen Kostenvoranschlag mit einzeln aufgeführten Arbeiten und Ersatzteilen. Die Kundschaft bekommt eine Durchschrift.
- Regeln für Unvorhergesehenes: Auf welchem Weg fragt ihr nach, wenn Mehrarbeit nötig wird? Wer ist erreichbar? Sollen ausgebaute Teile gezeigt, mitgegeben oder entsorgt werden?
Checkliste für die Annahme am Fahrzeug
| Punkt | Warum |
|---|---|
| Anliegen wörtlich | Ihr behebt das Problem, das gemeint war – und könnt später zeigen, was beauftragt war. |
| Kilometerstand, Tank- oder Ladestand | Probefahrten und Überführungen bleiben nachvollziehbar. |
| Warnleuchten nach dem Start | Zeigt, welche Meldungen schon vor der Reparatur da waren. |
| Vorschäden rundum, mit Foto | Kratzer und Dellen, die schon da waren, sind festgehalten. |
| Wertsachen | Raus aus dem Fahrzeug – oder ausdrücklich in Verwahrung genommen. |
| Arbeiten, Termin, Preisangaben | Im Auftragsschein; stehen Preise darin, mit Umsatzsteuer. Durchschrift an die Kundschaft. |
| Weg für Rückfragen | App, Telefon oder E-Mail – und wer entscheidet. |
| Ausgebaute Teile | Zeigen, mitgeben oder entsorgen – vorher geklärt. |
Was in den Auftragsschein gehört – Leistungen, Fertigstellungstermin, bei Preisangaben die Umsatzsteuer – stammt aus den Kfz-Reparaturbedingungen des ZDK. Arbeitet ihr mit eigenen Bedingungen, gelten diese.
Welche Fotos bei der Annahme sinnvoll sind
- Die vier Seiten des Fahrzeugs in der Totalen – vorn, hinten, links, rechts.
- Jeden sichtbaren Vorschaden nah, mit etwas Umgebung, damit man die Stelle wiederfindet.
- Das Kombiinstrument mit Kilometerstand und Warnleuchten.
- Die Stelle, um die es geht – wenn sie ohne Zerlegen sichtbar ist.
- Bei Geräuschen ein kurzes Video statt vieler Fotos.
Ein Foto zeigt einen Zustand. Damit es später als Beleg taugt, muss klar sein, dass es nicht ausgetauscht wurde – das ist der Unterschied zwischen einem Foto in der Handy-Galerie und einem versiegelten Nachweis.
Mehrarbeit: vorher fragen, nachweisbar festhalten
Zeigt sich während der Arbeit, dass ein Kostenvoranschlag wesentlich überschritten wird, ist das Gesetz eindeutig: „Ist eine solche Überschreitung des Anschlags zu erwarten, so hat der Unternehmer dem Besteller unverzüglich Anzeige zu machen“ (§ 649 Abs. 2 BGB). Die Kundschaft kann dann kündigen und schuldet nur den Teil der Vergütung, der der geleisteten Arbeit entspricht, und Auslagen, die nicht in der Vergütung enthalten sind (§ 649 Abs. 1, § 645 Abs. 1 BGB). Arbeitet ihr mit den Kfz-Reparaturbedingungen und einem schriftlichen Kostenvoranschlag, darf der Gesamtpreis nur mit Zustimmung der Kundschaft überschritten werden.
Für die Praxis heißt das: nicht nur fragen, sondern die Antwort mit Betrag, Weg und Zeitpunkt festhalten. Wie die Kundschaft diese Lage sieht, steht im Ratgeber Rechnung höher als der Kostenvoranschlag.
So unterstützt Check deine Reparatur die Annahme
- Phase „Annahme“: Foto oder Video direkt am Fahrzeug aufnehmen. Der Server versiegelt die Aufnahme mit Prüfsumme und Serverzeit; danach lässt sich das Original nicht mehr überschreiben.
- Ihr entscheidet, was die Kundschaft sieht: Freigegebene Aufnahmen sieht sie sofort. Fotos und Videos sind keine Pflicht.
- Einladung in Sekunden: per E-Mail vom Tresen, mit 4-stelligem Code fürs Telefon – die Kundschaft braucht kein Konto.
- Freigaben mit Preis: Wird es teurer, fragt ihr in der App nach – mit Beschreibung und voraussichtlichen Kosten. Die Kundschaft entscheidet direkt, oder ihr haltet ihre Antwort von Telefon, Theke oder E-Mail fest. Solange keine Zustimmung vorliegt, geht ein Auftrag in „Freigabe ausstehend“ nicht weiter in die Arbeit.
Ehrlich gesagt: Das macht eure Dokumentation manipulationsarm, ist aber kein Echtheitsbeweis – ein vorbereitetes Bild würde genauso versiegelt.
Häufige Fragen
- Was passiert bei einer Dialogannahme?
- Serviceberatung und Kundschaft sehen sich das Fahrzeug gemeinsam an, klären das Anliegen und vereinbaren Arbeiten, Termin und – auf Wunsch – voraussichtliche Preise. Das Ergebnis steht im Auftragsschein; die Kundschaft bekommt eine Durchschrift.
- Welche Fotos sollte eine Werkstatt bei der Annahme machen?
- Die vier Seiten in der Totalen, jeden sichtbaren Vorschaden nah, das Kombiinstrument mit Kilometerstand und Warnleuchten und die Stelle, um die es geht.
- Muss die Werkstatt vor Mehrkosten fragen?
- Ist eine wesentliche Überschreitung eines Kostenvoranschlags zu erwarten, muss sie es unverzüglich anzeigen (§ 649 Abs. 2 BGB). Gelten die Kfz-Reparaturbedingungen und gibt es einen schriftlichen Kostenvoranschlag, braucht eine Überschreitung des Gesamtpreises die Zustimmung der Kundschaft.
- Was kostet eine Dialogannahme die Kundschaft?
- Das legt jeder Betrieb selbst fest. Wer es vorher wissen will, fragt bei der Terminvereinbarung.
Quellen
- § 645 BGB – Verantwortlichkeit des Bestellers (gesetze-im-internet.de)
- § 649 BGB – Kostenanschlag (gesetze-im-internet.de)
- Kfz-Reparaturbedingungen, Empfehlung des ZDK, Stand 01/2022 (PDF, Abdruck eines Autohauses)
Dieser Ratgeber erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
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