Ratgeber · Für deine Reparatur

Kostenvoranschlag in der Werkstatt: Was kostet er – und wie verbindlich ist er?

Ein Kostenvoranschlag ist im Zweifel kostenlos – so steht es im Gesetz. Wie verbindlich er ist, hängt davon ab, was du mit der Werkstatt vereinbart hast.

Stand: · Von der Redaktion Check deine Reparatur · Gesetzestexte geprüft auf gesetze-im-internet.de · Keine Rechtsberatung

Kurz gesagt

  • Kosten: „Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten“ (§ 632 Abs. 3 BGB). Bezahlen musst du ihn grundsätzlich nur, wenn ihr das vereinbart habt.
  • Nach dem Gesetz ist ein Kostenvoranschlag eine Schätzung. Zeichnet sich eine wesentliche Überschreitung ab, muss die Werkstatt dir das unverzüglich sagen – und du darfst kündigen (§ 649 BGB).
  • Nach den Kfz-Reparaturbedingungen, die der Zentralverband des Kfz-Gewerbes empfiehlt, bindet ein schriftlicher Kostenvoranschlag die Werkstatt drei Wochen; der Gesamtpreis darf dann nur mit deiner Zustimmung überschritten werden.
  • Ein Festpreis für eine Reparatur bindet die Werkstatt – auch wenn die zugesagte Arbeit aufwendiger wird.

Muss ich einen Kostenvoranschlag bezahlen?

Im Zweifel nicht. Das Bürgerliche Gesetzbuch sagt in § 632 Abs. 3 knapp: „Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten.“ Das Gesetz spricht von „Kostenanschlag“ – gemeint ist der Kostenvoranschlag. „Im Zweifel“ heißt: Habt ihr nichts anderes vereinbart, kostet er dich nichts.

Geld kann die Werkstatt dafür nach dem Merkblatt der IHK Saarland grundsätzlich nur verlangen, wenn ihr eine entsprechende Vereinbarung getroffen habt – am besten klärt ihr das vorher. So steht es auch in den Kfz-Reparaturbedingungen, die der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) seinen Betrieben als Muster empfiehlt: Die Leistungen für einen Kostenvoranschlag „können dem Auftraggeber berechnet werden, wenn dies im Einzelfall vereinbart ist“. Nach dem Merkblatt der Handwerkskammer Rheinhessen ist eine Klausel in den allgemeinen Geschäftsbedingungen, die zur Vergütung des Kostenvoranschlags verpflichtet, unwirksam.

Lässt du danach in derselben Werkstatt reparieren, werden vereinbarte Kosten für den Kostenvoranschlag nach den Kfz-Reparaturbedingungen mit der Rechnung verrechnet. Auch nach dem Merkblatt der IHK Saarland gelten diese Kosten als mit der Vergütung abgedeckt, wenn die Werkstatt den Auftrag aufgrund des Kostenvoranschlags bekommt – es sei denn, ihr habt ausdrücklich etwas anderes vereinbart.

Tipp: Frag vorher, ob für den Kostenvoranschlag etwas berechnet wird – vor allem, wenn dafür etwas zerlegt oder ein Fehler gesucht werden muss. Dann weißt du es, bevor Kosten entstehen.

Nach einem Unfall gelten für die Erstattung durch eine Versicherung eigene Regeln. Dieser Ratgeber geht um die Reparatur, die du selbst beauftragst.

Wie verbindlich ist ein Kostenvoranschlag?

Das hängt davon ab, was vereinbart ist. In der Werkstatt kommen drei Fälle vor:

Kostenvoranschlag, Kfz-Reparaturbedingungen und Festpreis im Vergleich
Was vereinbart istDarf es teurer werden?
Kostenvoranschlag ohne weitere Abrede eine fachmännische Schätzung (§ 649 BGB)Ja – zeichnet sich aber eine wesentliche Überschreitung ab, muss die Werkstatt sie dir unverzüglich anzeigen. Dann kannst du kündigen.
Schriftlicher Kostenvoranschlag nach den Kfz-Reparaturbedingungen Arbeiten und Ersatzteile einzeln mit Preis; drei Wochen nach der Abgabe bindendDer Gesamtpreis nur mit deiner Zustimmung.
Festpreis ein zugesagter Betrag für die beschriebene ReparaturNein – für die zugesagte Reparatur nicht.

Was das Gesetz sagt

§ 649 BGB regelt den Kostenvoranschlag, für dessen Richtigkeit die Werkstatt keine Gewähr übernommen hat. Stellt sich heraus, dass die Reparatur nur mit einer wesentlichen Überschreitung möglich ist, darfst du kündigen. Die Werkstatt bekommt dann nur den Teil der Vergütung, der der bereits geleisteten Arbeit entspricht, und Auslagen, die nicht in der Vergütung enthalten sind (§ 645 Abs. 1 BGB). Außerdem: „Ist eine solche Überschreitung des Anschlags zu erwarten, so hat der Unternehmer dem Besteller unverzüglich Anzeige zu machen“ (§ 649 Abs. 2 BGB).

Was „wesentlich“ ist, sagt das Gesetz nicht. Wie viel mehr als Orientierung gilt und was du tun kannst, wenn die Rechnung höher ist, steht im Ratgeber Rechnung höher als der Kostenvoranschlag.

Was in den Kfz-Reparaturbedingungen steht

Ob für deinen Auftrag besondere Bedingungen gelten, steht im Auftragsschein oder in den Geschäftsbedingungen, auf die er verweist. Der ZDK empfiehlt dafür die Kfz-Reparaturbedingungen (Stand 01/2022). Danach gilt:

  • Auf Wunsch schreibt die Werkstatt die voraussichtlichen Preise in den Auftragsschein – das ist eine Orientierung, kein fester Preis.
  • Willst du einen verbindlichen Preis, braucht es einen schriftlichen Kostenvoranschlag, in dem Arbeiten und Ersatzteile einzeln mit Preis aufgeführt sind.
  • An diesen Kostenvoranschlag ist die Werkstatt bis drei Wochen nach der Abgabe gebunden.
  • Beauftragst du die Reparatur auf dieser Grundlage, darf der Gesamtpreis nur mit deiner Zustimmung überschritten werden.
  • Stehen Preise im Kostenvoranschlag oder im Auftragsschein, muss die Umsatzsteuer angegeben sein.

Die Bedingungen sind eine Empfehlung. Welche Fassung deine Werkstatt verwendet – oder ob sie eigene hat –, siehst du im Auftrag.

Kostenvoranschlag oder Festpreis?

Ein Angebot mit festem Preis ist mehr als ein Kostenvoranschlag. Die IHK Saarland erklärt das in ihrem Merkblatt mit einem Werkstatt-Beispiel: Sagt ein Unternehmer „die Instandsetzung eines Kraftfahrzeuges für einen bestimmten Betrag zu, kann er davon nachträglich nicht abweichen oder den Reparaturumfang zur Kostendeckung senken.“ Ein Festpreis deckt aber nur die beschriebene Reparatur. Zeigt sich am Fahrzeug ein weiterer Schaden, braucht es dafür eine neue Absprache.

Was in einen guten Kostenvoranschlag gehört

  • Dein Fahrzeug – etwa mit Kennzeichen oder Fahrzeug-Identifizierungsnummer – und das Datum
  • Jede Arbeit einzeln, mit Arbeitszeit und Preis
  • Jedes Ersatzteil einzeln, mit Preis
  • Die Umsatzsteuer
  • Ob der Kostenvoranschlag verbindlich ist – und wie lange
  • Ob er etwas kostet – und ob das bei einem Auftrag verrechnet wird
  • Wie die Werkstatt dich erreicht, wenn es teurer wird

Einzeln aufgeführte Arbeiten und Teile mit Preis und die Umsatzsteuer verlangen auch die Kfz-Reparaturbedingungen für einen verbindlichen Kostenvoranschlag. Die übrigen Punkte machen später klar, was abgesprochen war.

Vier Fragen, bevor du den Auftrag gibst

  1. „Ist das ein verbindlicher Kostenvoranschlag oder eine Schätzung?“ Dann weißt du, ob und wie weit der Preis noch steigen kann.
  2. „Kostet der Kostenvoranschlag etwas – und wird das verrechnet?“
  3. „Wie fragt ihr nach, wenn es teurer wird?“ Telefon, E-Mail oder App – und was gilt, wenn du gerade nicht erreichbar bist. Eine klare Absprache im Auftrag hilft, etwa: „Mehrarbeiten nur nach Rücksprache.“
  4. „Bekomme ich eine Kopie des Auftrags?“ Nach den Kfz-Reparaturbedingungen erhältst du eine Durchschrift des Auftragsscheins.

So hilft Check deine Reparatur

Arbeitet deine Werkstatt mit Check deine Reparatur, wird eine Kostenfrage zu einer Entscheidung, die du siehst:

  • Erst deine Freigabe, dann die Arbeit: Braucht die Werkstatt deine Zustimmung, fragt sie in der App nach – mit Beschreibung und voraussichtlichen Kosten. Du entscheidest dort selbst, oder die Werkstatt hält deine Antwort vom Telefon, von der Theke oder per E-Mail fest. Dann siehst du, auf welchem Weg und wann sie das getan hat.
  • Ohne Konto: Du bekommst eine Einladung per E-Mail – Link und 4-stelliger Code genügen.
  • Kostenlos für dich: Bezahlt wird der Zugang der Werkstatt.

Noch keine Werkstatt? In der App kannst du deine Reparatur einmal beschreiben und im Umkreis ausschreiben. Partnerwerkstätten können mit einer unverbindlichen Einschätzung, einem verbindlichen Festpreis oder „Preis noch offen“ antworten. Wir starten gerade: Ist in deinem Umkreis noch keine Partnerwerkstatt dabei, sagt dir die App das beim Abschicken. Eine Antwort ist nicht garantiert; du brauchst dafür ein kostenloses Konto.

Häufige Fragen

Ist ein Kostenvoranschlag in der Werkstatt kostenlos?
Im Zweifel ja: Nach § 632 Abs. 3 BGB ist ein Kostenanschlag nicht zu vergüten, wenn nichts anderes vereinbart ist. Will die Werkstatt Geld dafür, braucht es eine Vereinbarung mit dir – am besten klärt ihr das vorher.
Wie lange gilt ein Kostenvoranschlag?
In § 649 BGB, dem Paragrafen zum Kostenanschlag, steht keine Frist. Nach den Kfz-Reparaturbedingungen, die der ZDK empfiehlt, ist die Werkstatt an einen schriftlichen Kostenvoranschlag drei Wochen nach der Abgabe gebunden.
Was ist der Unterschied zwischen Kostenvoranschlag und Festpreis?
Ein Festpreis bindet die Werkstatt für die beschriebene Reparatur. Ein Kostenvoranschlag ist nach dem Gesetz eine Schätzung; eine wesentliche Überschreitung muss die Werkstatt dir aber unverzüglich anzeigen (§ 649 BGB).
Muss ich zahlen, wenn ich nach dem Kostenvoranschlag nicht reparieren lasse?
Grundsätzlich nur, wenn ihr eine Vergütung für den Kostenvoranschlag vereinbart habt. Ohne Vereinbarung ist er im Zweifel kostenlos (§ 632 Abs. 3 BGB).